Vielleicht hast du schon einmal vom Gleitschirmfliegen erzählt und jemand hat dich gefragt, was passiert, wenn dein Gleitschirm einklappt. Die Vorstellung, ein Fluggerät zu fliegen, das nur durch aerodynamische Kräfte in Form gehalten wird, ist in der Tat zunächst einmal ziemlich abenteuerlich. Ein Gleitschirm hat jedoch die einzigartige Fähigkeit, völlig aus der Form zu geraten und sich im nächsten Moment wieder zu öffnen, als wäre nichts gewesen. Oft macht er das von ganz allein, manchmal braucht dein Gleitschirm aber auch deine Unterstützung. Und genau diese richtigen Impulse in der richtigen Dosierung zu setzen, lässt sich in einem Sicherheitstraining in sicherer Umgebung wunderbar trainieren.
Wann treten Klapper beim Gleitschirm auf?
Klapper beim Gleitschirm treten auf, wenn die Anströmung des Profils nicht mehr aus einer gesunden Richtung kommt. Oder anders ausgedrückt: Wenn der Anstellwinkel zu klein wird. Ein Gleitschirmprofil benötigt stets einen positiven Anstellwinkel. Das bedeutet, dass die Luft von schräg unten auf die Profilsehne strömt. Wird der Anstellwinkel plötzlich sehr klein oder sogar negativ, kommt es zum Einklappen der kompletten oder teilweisen Fläche. Für diese plötzliche, ungünstige Änderung des Anstellwinkels kann es verschiedene Ursachen geben.
Klapper durch Turbulenzen

Luft und Wasser haben einige gemeinsame Eigenschaften. Eine davon ist, dass Turbulenzen entstehen, sobald sie in Bewegung sind und auf ein Hindernis treffen. Auch thermische Effekte wie das Aufsteigen von Luftmassen führen zur Bildung turbulenter Zonen. Fliegt man mit dem Gleitschirm durch einen solchen Bereich, so spürt man dies an den Bewegungen des Schirms, an Veränderungen des Drucks auf die Tragegurte und manchmal auch am Einklappen des Schirms.
Klapper durch Entlasten der Leinen

Das Profil des Gleitschirms funktioniert nur, solange die Leinen unter Zug stehen. Wenn sich das Pendel aus Pilot und Gleitschirm aufschaukelt kann dies dazu führen, dass in einem ungünstigen Moment der Schwung ausgeht, die Leinen entlasten und der Schirm kollabiert.
Ballooning Klapper

Der Ballooning Klapper ist nichts anderes als ein Einklappen des Schirms, weil seine Leinen nicht mehr unter Spannung stehen. Dieses Entlasten entsteht, wenn es zu einer plötzlichen, vertikalen Hebung kommt (daher der Name Ballooning, wie Heißluftballon). Wenn diese Hebung plötzlich stoppt, bewegt sich der Pilot durch die Massenträgheit noch einen Moment weiter, was zum Entlasten der Leinen und damit zum Einklappen der Fläche führt.
Mögliche Gründe für diese plötzlichen Vertikalbewegungen können sein:
-Plötzlicher Auftrieb durch Anbremsen eines beschleunigten Schirms
-Scharf abgegrenzte thermische Aufwinde
Klapper vermeiden
Es gibt ein großes Problem bei Klappern: Selbst ein Klapper, auf den du perfekt reagierst, kann zu einem erheblichen Höhenverlust führen. In Bodennähe kann das natürlich zu schweren Unfällen führen. Überlege dir also gut, ob du das Risiko eingehen möchte, unter Bedingungen zu fliegen, bei denen Klapper absehbar sind. Das gilt selbst dann, wenn du sehr geübt im Umgang mit Klapper bist.
Die absolut sichere Methode, Klapper zu vermeiden, ist das Fliegen bei ruhigen Bedingungen. Das ist natürlich leicht gesagt, denn die Luft ist unsichtbar und es ist nicht erkennbar, ob und wo sich starke Turbulenzen in ihr verbergen. Es gibt jedoch Anzeichen, die auf turbulente Luft hinweisen können. Diese können sein:
- Aktives Wolkenbild
- Hohe Windgeschwindigkeiten (ab ca. 50 km/h) in den Luftschichten knapp über dem Startplatz.
- Durch die noch kalte Luft, aber schon kräftige Sonneneinstrahlung bilden sich im Frühjahr oft überraschend starke und scharf abgegrenzte Aufwinde.
- Trockene, heiße Bedingungen. Feuchter Wald erhitzt sich viel träger als eine trockene Wiese. Thermik löst sich dort früher und scharfkantiger ab.
- Geländeformen und Ausrichtungen, die starke Verwirbelungen vermuten lassen. Markante Felsen erzeugen mehr Störungen als weiche Bergkuppen.

Die Website meteo-parapente.com visualisiert die für den Gleitschirmsport relevanten Geschwindigkeitsbereiche sehr anschaulich. Sie kann ein hilfreiches Tool sein, um ungeeignete Bedingungen zu erkennen. In diesem Beispiel wären insbesondere die rot eingefärbten Windgeschwindigkeiten als kritisch hoch einzustufen. Auch wenn sie sich noch leicht oberhalb deines Startplatzes befinden, solltest du vor deinem Start am besten andere Schirme beobachten, die bereits in der Luft sind, und eine gute Entscheidung für dich treffen.
Aktives Fliegen
Durch „aktives Fliegen” können die Auswirkungen von Turbulenzen oft verringert und Einklapper vermieden oder zumindest reduziert werden. Wenn du beim Durchfliegen eines turbulenten Bereichs spürst, dass dein Gleitschirm einklappen könnte, kannst du dem entgegenwirken, indem du den Anstellwinkel mithilfe der Bremsen vergrößerst. In der Praxis spürst du, wie der Bremsdruck und der Zug auf einem Tragegurt nachlassen. Durch einen beherzten Bremsimpuls hältst du die Kappe offen. Auch ein plötzliches „Fahrstuhlgefühl” kann ein Vorbote eines Klappers sein. Denn nach dem Einfliegen in eine aufsteigende Luftmasse folgt oft das „Herausfallen” in eine sinkende Luftmasse. An den Bremsen spürst du oft, wie der Bremsdruck ansteigt und dann plötzlich abfällt. Folge dem Bremsdruck, um die Kappe offen zu halten. Wichtig ist eine klare Unterscheidung zum Strömungsabriss: Hierbei steigt der Steuerdruck ebenfalls an und fällt dann plötzlich ab. Es lohnt sich zu lernen, diese beiden Phänomene in einem Sicherheitstraining zu unterscheiden.
Wind
Wo Wind ist, gibt es auch Turbulenzen. Wenn du bereits auf dem Weg zum Startplatz das Rauschen des Windes hörst, solltest du deine Flugroute besonders sorgfältig planen. Die in der Luftbewegung enthaltene Energie vervierfacht sich nämlich, wenn sich die Windgeschwindigkeit verdoppelt. Turbulenzen können bereits bei einer geringen Zunahme der Windgeschwindigkeit auftreten und sich deutlich hinter Hindernissen ausbreiten.
Thermik
Besonders in Bodennähe, wo sich die Thermik ablöst, sind aufsteigende und absinkende Luftmassen scharf voneinander getrennt. Dies kann beim Durchfliegen dieser Zonen zu sehr plötzlichen und starken Änderungen des Anstellwinkels und damit zu großen Klappern führen. Überlege dir deshalb gut, ob du bei starker Thermik in der Luft sein möchtest.