Oft erreicht uns die Frage, was in einem Sicherheitstraining überhaupt möglich ist und welche Manöver du fliegen und lernen kannst. Die gute Nachricht: Wenn du dir, deinem Gleitschirm und deinem Fliegen fünf Tage widmest, sind oft sehr große Sprünge möglich. Wir wollen aber vor allem Grundlagen schaffen, die dich in deinem eigenen Lernprozess weit über die Tage am See hinaus begleiten.
Eine Grundlage für gute Entscheidungen

Je mehr du über dich und deinen Schirm weißt, desto leichter wird es dir fallen, gute Entscheidungen zu treffen. Und damit meinen wir nicht nur in der Luft, sondern vor allem schon vor dem Start. Es macht nicht immer Sinn, es ist nicht immer schön und manchmal schlicht gefährlich, in der Luft zu sein. Wir nehmen uns bewusst Zeit für all diese Feinheiten – denn gar nicht erst bei schlechten Bedingungen am Himmel zu stehen, ist um Welten besser, als den Schirm da oben irgendwie unter Kontrolle halten zu müssen.
Start und Landeskills

Vielleicht wirst du es gar nicht so bewusst wahrnehmen, aber zu jedem einzelnen Flug in deiner Woche bei uns gehören auch das saubere Vorbereiten am Startplatz, das Abheben und die Landung. Allein durch diese vielen Wiederholungen entwickelst du eine Routine und Sicherheit, die dir an anderen Startplätzen extrem viel Luft zum Durchatmen und deutlich mehr Souveränität verschafft. Vom Groundhandling im laminaren Wind unten am Strand mal ganz abgesehen 😉
Die 2/3 Regel der Abstiegshilfen

Nicht alle Menschen sind gern in bewegter Luft unterwegs. Wenn du das Fliegen in aktiver Thermik aber genießt, solltest du für den Fall, dass es mal zu stark steigt oder das Wetter schneller dreht als gedacht, ein paar verlässliche Tricks auf Lager haben. Schnell und kontrolliert Höhe abbauen zu können, ist die beste Versicherung gegen Stress in der Luft.
Dabei gibt es nicht die eine perfekte Lösung für jeden Fall: Nicht jede Abstiegshilfe macht mit jedem Schirmmodell, in jeder Höhe und in jeder Situation Sinn. Wenn du im Sicherheitstraining für dich herausfindest, was für dich und dein Material am besten funktioniert, verliert die Höhe ihren Schrecken. Du weißt exakt, was dich erwartet, wie viel Dynamik im Spiel ist und wie du das Manöver auch wieder sauber ausleitest.
Genauso wie eine Handwerkerin nicht nur mit einem Hammer arbeitet, macht es auch in der Luft Sinn, verschiedene Tolls zu kennen. Unser Ziel im Training ist es, dass du mindestens zwei der drei gängigen Abstiegshilfen souverän beherrschst und fest in deinem eigenen Werkzeugkasten hast – damit du in jeder Situation entspannt bleibst und deine Flüge voll genießen kannst.
Strömungsabrisse erkennen und richtig reagieren

Der ungewollte Strömungsabriss gehört nach wie vor zu den größten Gefahrenquellen beim Gleitschirmfliegen. Umso wertvoller ist es, genau dieses Grenzgebiet kontrolliert zu erkunden: Wenn du lernst, die Zeichen zu lesen und richtig darauf zu reagieren, gewinnst du einen riesigen Sicherheitsvorteil für deine Flüge.
Mit sinnvoll aufgebauten und strukturierten Übungen über Wasser lernst du die Reaktionen deines Schirms in Ausnahmesituationen kennen und vor allem deine eigenen. So wird aus der Angst vor dem Unbekannten ein klares, feines Gefühl für die Grenzen deines Fluggeräts.
Absturzsituationen beenden

Wenn du möchtest, kannst du bei uns nicht nur die klassische, „richtige“ Reaktion auf Klapper und Störungen trainieren, sondern dich auch ganz bewusst in Momente begeben, in denen dein Schirm auf den ersten Blick „out of control“ wirkt. Du lernst, solche dynamischen Situationen ruhig einzuschätzen und deinen Gleitschirm gezielt wieder unter Kontrolle zu bringen. Diese Erfahrung in einer sicheren, kontrollierten Umgebung über Wasser gemacht zu haben, gibt dir im realen Ernstfall die Ruhe, blitzschnell die richtige Entscheidung zu treffen.
Verhängeröffnungstools

Es gibt viele Ideen und Halbwissen darüber, wie sich Verhänger öffnen lassen. Die meisten davon haben eines gemeinsam: Sie funktionieren in der Praxis nicht oder setzen den Fokus völlig falsch. Wir geben dir einen ganz konkreten Entscheidungsbaum und klare Problemlösungsstrategien mit auf den Weg. Damit weißt du genau, wie du auf Störungen in deinem Schirm ruhig, strukturiert und vor allem sinnvoll reagierst.
Was ist eher unrealistisch?
Du wirst nicht in wenigen Tagen zu einer erfahrenen Pilotin oder einem erfahrenen Pilot werden. Es gibt Dinge, die lassen sich nicht abkürzen und gehören zu einem natürlichen Wachstums- und Lernprozess, den du selbst mit intensivem Training und großem Talent nicht überspringen kannst. Aber du kannst dir mit einem Sicherheitstraining die Möglichkeit geben, diesen Lernprozess über viele Jahre möglichst schadlos zu überstehen.
Ein großer Bremsfaktor ist auch die falsche Ausrüstung. Es ist möglich und sinnvoll, fast alle Fähigkeiten beim Gleitschirmfliegen mit einem A- oder Low-B-Schirm zu erlernen. Alles, was darüber hinausgeht, hat das Potenzial, dich zu bremsen, zu verunsichern oder dich im schlimmsten Fall sogar weit zurückzuwerfen. Kombinationen aus C-Schirm, Liegegurtzeug und Steilspirale-Lernen sind zwar möglich, machen aber – wenn wir ehrlich sind – überhaupt keinen Sinn.